Destillate
aus Getreide
Vodka
Vodka ist ein ursprünglich osteuropäisches Getränk,
das im 13./14. Jahrhundert entweder in Russland oder Polen zum ersten Mal auftauchte.
Wie Gin, des Vodkas naher Verwandter, wurde er ursprünglich zu medizinischen
Zwecken verwendet.
Das amerikanische Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau definiert
die Kategorie Vodka heute folgendermaßen: „Neutral spirits distilled from any material at or above 190 degrees of
proof, reduced to not more than 110 nor less than 80 degrees of proof, and after
such reduction in proof treated by one of the three methods set forth therein
so that the resulting product would be without distinctive character, aroma,
or taste.“ (Dias Blue, the complete book of spirits, S. 10).
Des Vodkas russische Geschichte:
Der Name Vodka entwickelte sic in Russland während des Mittelalters nach dem russischen
Begriff Zhizennia Voda, der das Wasser des Lebens oder wörtlich
liebes kleines Wasser bedeutet.
Landesintern streitet man bis heute, wer seinerzeit
den ersten russischen Vodka destilliert hat, ob es 1174 die Mönche des
Klosters in Viatka oder im 14. Jahrhundert die Mönche des Chudov Klosters im Kremlinand waren. Man geht davon aus, dass die Chudov Mönche während des ökumenischen Rats der romanisch
katholischen Kirche um 1430 die
hohe Kunst der Destillation von ihren Brüdern aus italienischen Klöstern lernten.
Im Jahre 1505 schlug Vodka dann seine endgültig festen russischen Wurzeln. Leider
hatte der hohe Vodkakonsum im Lade verheerende Folgen, wie Verarmungen und familiäre
Desaster. Prinz Ivan III verbot deshalb die Herstellung stark alkoholischer Getränke
und sprach das erste staatliche Vodka Monopol aus, das bis 1605 andauerte. Es erlaubte das Trinken von Alkohol nur während bestimmter Feiertage.
Ivan IV oder (Ivan der Schreckliche)
richtete für die Wärter seines Palastes dann 1552 staatlich kontrollierte Kabaks (Tavernen) ein, in denen diese an bestimmten Tagen soviel trinken durften, wie sie wünschten. Andere Gemeinden übernahmen folgten dieser Idee, bis im frühen 17. Jahrhundert
Patriarch Nikon ein Gericht zur Kontrolle dieser Kabaks ins Leben rief und hohe
Steuern für Alkohol erhob. Die russisch orthodoxe Kirsche verfluchte Vodka als Erfindung des Teufels und löschte jede diesbezügliche Information aus. Fast alle Dokumente, die von der Geburtsstunde des Vodka
zeugen, wurden zerstört. 1648 stand ein Drittel aller russischen Männer in der finanziellen
Schuld der Tavernen und die öffentliche Trunkenheit geriet außer Kontrolle.
Als Moskaus Kabaks versuchten, Schulden einzutreiben, brach eine große Revolte aus, die sich landesweit
ausdehnte. In der Konsequenz begannen die Russen, Zuhause eigenen Vodka brennen.
Czar Aleksey, der dann an die Macht kam, sah die Gefahren dieser Schwarzbrennerei, machte den öffentlichen Erwerb von Spirituosen wieder möglich
und richtete noch mehr Kabaks ein, wobei das Trinken weiterhin nur an bestimmten
Feiertagen gestattet blieb. Seither gibt es in Russland eine immer noch gültige Lizenzvereinbarung bezüglich des Alkoholverkaufs. 1759 machten die Alkoholverkäufe im Land 20% des staatlichen Einkommens
aus. 1765 verbot Catharina die Große mit dem Volk mit Ausnahme des Adels, Vodka zu produzieren. Alle nicht-adeligen Brennereien wurden zerstört.
Die nächste große Veränderung in der Geschichte des Vodkas begab sich
in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, als Piotr Arsenyevitch Smirnov Holzkohle zur Filtierung von Vodka einsetzte, da sie Aromen absorbierte.
1860 konnte Alexander I es nicht länger ignorieren, dass 40% des staatlichen
Einkommens aus dem Verkauf von alkoholischen Getränken stammten. Er rief
ein doppeltes Besteuerungssystem ins Leben, dass Hersteller nach ihrem Produktionsvolumen und Verkäufer nach Umsätzen besteuern sollte. So begann man zu schmuggeln.
1884 war die Betrunkenheit erneut ein großes Problem für Russland. 1913 bestand schätzungsweise die Hälfte aller Alkoholverkäufe
aus Schmuggelware. Auf Grund der offensichtlichen Unstimmigkeiten war es nur eine Frage der Zeit,
bis die Bolshevik Revolution Russland in Brand steckte. 1917 war es dann soweit. Der Ausbruch der Revolution bannte die Vodkaproduktion. Ironischer Weise
geht mit der Verbannung der russischen
Destillen allerdings der einzigartige Erfolg des Vodkas im Westen einher. Vor 1917 war diese klare Spirituose
nur ein landesinternes, regionales Getränk, klar umrandet von Russlands und Polens
Grenzen.
Schon hundert Jahre vor der Revolution lag Russlands führende Brennerei
in der Hand der Familie Smirnov, die gute Kontakte zum Adel pflegte. Mit dem
Aufstand änderten sich diese Gegebenheiten. Einer der Söhne des Piotr Smirnov´s schafften es, dem Angriff zu entkommen. Und Vladimir Smirnov floh über die Türkei und
Polen nach Paris.
Des Vodkas polnische Geschichte:
In Polen wird behauptet, dass Vodka (ursprünglich Gorzalka genannt) zwischen dem achten und zwölften Jahrhundert erstmals aus gefrorenem
Wein entstanden sei. Da Alkohol einen höheren Gefrierpunkt als Wasser hat, war der nicht gefrorene
Wein alkoholisch hochkonzentriert. Als es ab 1400 fortgeschrittenere Destillationsprozesse
gab, begannen die Polen, den Alkohol nicht nur für
medizinische Zwecke, sondern auch für den reinen Genuss zu produzieren. Zur gleichen
Zeit erreichte der Vodka aus Russland ihr Land.
1550 erlaubte der polnische König Jan Olbracht seiner Bevölkerung,
Alkohol zu produzieren und zu verkaufen. Als sich diese Entscheidung als überraschend
lukrativ erwies, hob der König diese Erlaubnis auf und behielt sie (wie in Russland) dem
Adel vor. Im gleichen Jahr der russischen Tavernen-Revolte (1648) rebellierten polnisch
ukrainische Bauern gegen Großgrundbesitzer und rächten sich an Steuereintreibern
und ländlichen Tavernenbesitzern. Als man die Revolte unterband, war
die polnische Infrastruktur so geschwächt, dass das verarmte Land ein leichtes
Ziel für eindringende Nachbarstaaten darstellte.
1772 war Polens Existenz in Gefahr, da Russland, Preußen und Österrreich-Ungarn das Land belagerten. Während der nächsten 150 Jahre hatte Polen fremden Gesetzen zu folgen. Aber polnische Brenner fuhren damit fort, speziellen aromatisierten Vodka zu
entwickeln. War die Spirituose bisher zumeist aus Getreide gebrannt, entdecken sie nun die Kartoffel für die Herstellung. Sie war zwar fünf- bis sechsmal
teuerer als Getreide, doch war das Endprodukt wesentlich runder im Geschmack. Zwar hatte Joachim Becher schon 1669 die Methode des Destillierens von Spirituosen
aus Kartoffeln definiert, aber erst 1798 wurden die ersten Anleitungen veröffentlicht. Bis heute stellen viele der um 1800 entstandenen polnischen Brennereien
Vodka aus Kartoffeln her.
Vodka im Westen, Vodka heute:
Vladimir Smirnov begann nach seiner Vertreibung aus Russland in einer kleinen französischen Brennerei wieder damit, Vodka herzustellen. Als er einen zur Brennerei gehörigen Shop eröffnete, änderte er seinen Namen
in den heutigen Markenbegriff Smirnoff, damit dieser der französischen
Schreibweise entsprach.
Um 1920 verkaufte Vladimir die Rechte seiner Marke an Rudolph
Kunnett, den Ukrainer. Dieser kämpfte darum, Sminoff Vodka am Markt
zu etablieren. Aber im Westen war Vodka wenig bekannt. Der öffentliche Widerwille, etwas Neues anzunehmen, führte zu sehr schleppenden Verkäufen. Als Kunnetts finanzielle Mittel schwanden, sah er sich gezwungen, mit John G. Martin of Hartford aus Connecticut zu kooperieren. Dieser war nicht nur der Präsident
des Spirituosen-Riesen Heublein, sondern glaubte, Vodka in Gold verwandeln zu
können.
Vodka eroberte die Welt zwar nicht im Sturm, aber kontinuierlich. Besonders in Paris war diese neue Spirituose willkommen. Im Pariser Ritz
Hotel wurde alsbald einer der bekanntesten Vodka-Drinks geboren: die Bloody Mary. Angeblich kreierte der Bartender Fernand Petiot das Getränk für verkaterte Gäste. Seinen Namen soll der Cocktail von einen Hotelgast haben, der behauptete, das Getränk erinnere ihn an den Bucket of Blood Club in Chicago, wo er eine Dame namens Mary kannte. Aber es gibt vielfältige Versionen des Namensursprunges. Jedenfalls machte sich der Drink schnell europaweit beliebt.
Petiot nahm die Rezeptur mit in die USA. Dort begann er auf Wunsch der Gäste, seine Bloody Mary
zu würzen.
Die von der Heublein Geschäftsführung zum Ende der Prohibition erwarteten,
steigenden Vodkaumsätze schleppten sich
mit enttäuschenden 6000 Kisten pro Jahr dahin. Es heißt, erst der Händler Ed Wooten
aus South Carolina sei durch einen glücklichen Zufall für die spätere Popularität des Vodka verantwortlich gewesen. Nachdem Heublein nämlich Smirnoff aufgekauft hatte, füllte man Extraflaschen in Connecticut ab, die an John G. Martin of Hartford versand
wurden. Alles lief so lange reibungslos, bis die mit der Marke versehenen Korken für den
Vodka ausgingen. Da die Firma ebenfalls Whisky herstellte, stand auf den einzig vorhandenen Korken,
mit denen die Vodkaflaschen versiegelt werden konnten, nun Smirnoff Whiskey. Wooten vermarktete das klare Getränk Smirnoff´s White
Whiskey mit dem Slogan No taste, No Smell!, der sich später in It will leave you breathless! verwandelte. Und Vodka boomte.
Die Amerikanische Nation war seit jeher ein Whisky trinkendes Volk,
doch seit den späten 40er Jahren, sprich nach dem zweiten Weltkrieg, sank
die Beliebtheit brauner Spirituosen zunehmend. Ihr Geschmack war zu intensiv und sie ließ
sich schlecht mit Anderem mischen. Braunen Spirituosen wurde außerdem ein schlimmerer
Kater als klaren Spirituosen nachgesagt. In Hollywood begeisterten sich
einflussreiche Trendsetter für klare Spirituosen, die Bloody Mary war heiss begehrt und als zweiter Vodkadrink wurde der Moscow Mule zum Getränk der Prominenz. Jack Morgan, damaliger
Inhaber
der legendären Bar Cock´n´Bull am Sunset Strip,
hatte diesen in einem Kupferbecher zu servierenden Drink aus Vodka, Ginger Bier und Limettensaft 1946 erfunden.
In den frühen 50er Jahren brachte die wachsende Beliebtheit von Cocktails wie dem Screwdriver, dem Vodka Martini und immer noch der Bloody Mary die Spirituose Vodka zum endgültigen Durchbruch. Die schwedische Firma Absolut schaffte es in den frühen 80er Jahren mit
auffälligen Anzeigen und modischem Design auch jüngere Zielgruppen
für Vodka zu begeistern. Als sich in den 80ern die kommunistischen Regime osteuropäischer Länder auflösten, konnten diese Länder ihre authentischen
Vodkas den USA und der Welt vorstellen. Der erste östliche Vodka, der in den Vereinigten
Staaten Fuß fasste, war Stolichnaya. Seinen Erfolg verdankte er der Firma Pepsi Cola,
die sich bereit erklärte, ihn zu vertreiben. Heute gibt es allein
auf dem Markt in den USA mehr als 300 verschiedene Vodkamarken. 50% des Umsatzes
gehen auf das Konto der Firma Smirnoff.
In den letzten zehn Jahren entwickelte sich der Sub-Markt der so genannten
Premium oder Ultra Premium Vodkas. Diese angeblich besonders reinen Produkte machten 2002
über 40% des Vodkasegments aus.
Herkunft:
Polen und Russland, Frankreich, USA, Skandinavien, Deutschland u.v.m.
Basis:
In den Anfängen wurde Vodka als Getreidedestillat hergestellt.
Erst als Columbus die Kartoffel nach Europa brachte, begann man auch sie zum Destillieren
zu verwenden. Vodka kann jedoch aus fast jedem agrarwirtschaftlichen Produkt hergestellt werden, ob aus Getreide,
Gemüse oder sogar Obst. Spitzenmarken sind fast immer aus Gerste und Weizen, z.T. auch aus Roggen gebrannt. Manche dieser Marken werden als Grain Vodka bezeichnet.
Herstellungsmethode:
Um milden, reinen Vodka herzustellen wird im Patent-Still-Verfahren
mehrfach gebrannt bzw. rektifiziert. Geringe Zusätze von Aromen sind
erlaubt, wie z.B. Pfeffer, Sherry, Limetten oder Bisongras. Die Techniken des Filtrierens sind bei Vodka besonders entscheidend. Üblich ist die traditionelle Holzkohlefiltrierung, aber Quarz, Sand oder Diamantenstaub kommen für die Filtration
besonders reiner Ergebnisse zum Einsatz. Spuren der Elemente verbleiben trotz
jeder Filtration. Sie geben dem Produkt seine Note.
Fassart, Lagerung:
Vodka wird nicht im Fass gelagert.
Aromatisierter Vodka:
Im Russland des 15. und 16. Jahrhunderts wurde Vodka mit süßem Sirup
vermischt, um ihn trinkbarer zu machen. Der Spirituose Gewürze oder Früchte
beizumischen war nicht minder gebräuchlich. Und obwohl Gin und Aquavit in gewisser
Weise als aromatisiere Vodkas betrachtet werden können, dauerte weitere 400 Jahre
bis die Firma Stolichnaya 1996 erstmalig einen Limon Vodka auf den Markt
brachte. Destillen bekamen daraufhin weltweit einen Anstoß des Experimentierens, der bis heute in voller Bandbreite ausgelebt wird und keine Grenzen zu kennen
scheint. Fast jedes Gewürz, Aroma oder jede Frucht kann zum Aromatisieren von
Vodka verwendet werden.
Charakter:
neutral
Alkoholgehalt:
40-55 % Vol. Alkohol
Markenprofile bekannter Marken...
Absolut
kommt als die drittgrößte Premium
Spirituosen Marke aus Ahus in Schweden. Der Name dieses Vodkas stammt von der Phrase Absolut renat Brännvin, was soviel heisst wie Absolut purer Vodka. Der Export von Absolut Vodka begann 1979. Inspiriert durch die Gestalt traditioneller schwedischer Medizinflaschen wurde seine Verpackung zu einem unverkennbaren Symbol. Die preisgekrönte
Marketing Kampagne der Spirituose wurde von Michel
Roux erdacht. Aus winterlichem Getreide destilliert weist Absolut Vodka eine
weiche Malznote mit einer Idee getrockneter Frucht auf.
Belvedere
wird Belvedere in einer winzigen
Destille in der Region Masovia in Polen aus handgeerntetem polnischen Roggen hergestellt. Aus seiner Heimat ist dem Glauben der Polen zufolge die der polnischen Vodkaerfindung. Sein Name ehrt das Belvedere
Haus, dem polnischen Äquivalent des weißen Hauses. Belvedere Vodka ist vierfach destilliert, dann über Diamantenerde und Kohle filtriert.
Ketel One
kann als das Original aller Ultra Premium Vodkas verstanden werden. Die dänische Brennerei nutzt bis heute traditionelle Methoden ihres Gründers, Joannes Nolet, und befindet sich seit jeher im familiären Privatbesitz. Das auf Weizen basierende Produkt Ketel One, das seit 400 Jahre von Hand über selbst gelegten Feuern in original Kupfer Pot Stills destilliert wird, gibt es seit 1691. Jede Abpackung dieses
Vodkas wird von der Familie Nolet verkostet und Güte
geprüft.
Skyy
basiert auf Mais, wird in Illinois mit vierfacher Destillation und dreifacher Filtration hergestellt und in Nord Kalifornien
abgefüllt. Denn: 1992 suchte ein Mann namens Maurice Kanbar nach einem Getränk, das ihn
vor dem morgendlichen Kater verschonen würde. Da er ein Freund von Vodka
war, gelangte er zu der Überzeugung, dass ein höheres Mass an Reinheit
dieser Spirituose zuträglich sein müsste und er begann, seinen eigenen Vodka herzustellen. Passend zur absoluten Milde, Reinheit
und Qualität des Produktes brauchte er nur noch einen Namen. Als
Kanbar Tage später aus dem Fenster seines Büros in San Fransisco in den reinen, blau leuchtenden Himmel sah, wusste er, wie
sein Vodka heißen musste. Mit dem zweiten y war ihm der
Name Skyy gestattet.
Stolichnaya
Die ursprüngliche Stolichnaya-Brennerei befindet sich im kleinen Städtchen Irkutsk
in Sibirien, wo Stoli seit über 95 Jahren aus dem Wasser des nahen Sees Baikal entsteht, dessen Qualität selbst Wissenschaftler ins Staunen versetzt. Der See gehört zu einem der großen Naturwunder. Stolichnaya durchläuft die zweifache Kohlefiltration und eine dritte, so genannte Spiegel Filterung (benannt nach
der angeblich spiegelnden Reinheit, die sie dem Vodka verleiht). Da Stolichnaya heute in verschiedenen Orten Russlands hergestellt wird können Qualitäten variieren.
Smirnoff
wird bis heute mit der seit 1860 bewährten Methode des
Piotr Smirnov hergestellt. Zur Filtration kommt die Kohle aus Ahorn-,
Buchen- und Birkenholz zum Einsatz, vollentsalztes Wasser in der Produktion. Durchschnittlich werden am Tag eine halbe Million Smirnoff Vodka Flaschen verkauft.